Oberhalb des Ortes Deidesheim an der Deutschen Weinstrasse, auf der Kuppe des Martensberges, befinden sich die Reste einer Fliehburg aus dem 9. oder 10. Jahrhundert.
Es ist bis heute nicht bekannt, auf wessen Initiative hin die Errichtung der Wehranlage erfolgte. Vermutlich um sich vor Angriffen durch die Normannen oder die Ungarn zu schützen und eine Zufluchtsstätte im Falle von Kriegswirren zu haben, bauten die Deidesheimer im 9. oder 10. Jahrhundert die Fliehburg "Heidenlöcher".
Der Name entstammt dem Volksmund und ist auf die an dieser Stelle gefundenen Senken und Kuhlen im Waldboden zurückzuführen. Ein Zusammenhang mit heidnischen Riten und Bräuchen kann ausgeschlossen werden.
Erste wissenschaftliche Unter- suchungen durch den damaligen Leiter der Heimatfreunde Schandein führten 1827 zur Veröffentlichung eines Berichtes in den Intelligenzblättern des Rheinkreises. In den Jahren 1907/08 förderten Ausgrabungen und Untersuchungen des Historischen Vereins der Pfalz eine ca. 450m im Umfang messende Ringmauer zutage. Sie umschloß ein Oval mit den Maßen in Ost-West-Ausdehnung von ca. 150m, von Nord nach Süd von ca. 100m. An der Nord- sowie an der Südseite der Mauer war der Wall durchbrochen und gewährte durch zwei Tore Zugang zu dem Areal. Die Ringmauer selbst bestand aus einer ca. 2,50 Meter hohen Basis aus behauenen Natursteinen, die von einem hölzernen Palisadenzaun gekrönt war.
Innerhalb der Umgrenzungsmauer fanden sich die Reste der steinernen Fundamente von ca. 80 Gebäuden. Die meisten der Häuser waren eingeschossig, nur wenige wiesen Spuren auf, die auf eine Unterkellerung schließen ließen. Vermutlich hatte nur eines der Gebäude mehrere Räumlichkeiten. Die westliche Ringmauer, die die ungeschützteste Seite der Anlage schirmte, weist noch heute eine ca. 2m breite Rampe auf, die zur Besteigung der Wehrmauer diente. Die Dächer der auf der Innenseite gelegenen Gebäude dienten den Verteidigern als vergrößerte Standfläche bei der Verteidigung.
Während der westliche Teil der Fliehburg gut begehbar ist, liegt der östliche Teil in unwegsamem Gelände.
Jede menschliche Besiedelung verursacht Spuren: Feuerstellen, Müllgruben o.ä. Das Fehlen derartiger Überreste läßt den Schluß zu, daß die Anlage zu keiner Zeit von den Bewohnern Deidesheims und der umliegenden Orte genutzt werden mußte. Vermutlich weilten hier lediglich Reisende auf Ihrem Weg durch die Wälder oder ein von den Erbauern bestellter Verantwortlicher hin und wieder in der Fliehburg.
So erreicht man die Fliehburg:
In Deidesheim am Hotel Hatterer den Ort in Richtung Weinberge durch die "Große Hohl" verlassen und der Beschilderung zur Michaelskapelle (Foto rechts) bzw. zum Wallberg folgen. Vom Parkplatz am Waldrand der Auszeichnung zu den Heidenlöchern (roter Punkt) bzw. zur Michaelskapelle folgen. Auf halber Höhe des Wallberges kann man an der Michaelskapelle aus dem Jahr 1470 eine kleine Rast einlegen und den Ausblick über die Rheinebene bis zum Odenwald, der Bergstrasse und Heidelberg genießen. Von hier aus führt ein weiterer, ca. 15-minütiger Fußmarsch zu den Heidenlöchern.
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